FIFA-Qualitätskonzept garantiert perfekte Spielfelder

In der letzten Ausgabe des FIFA Magazine haben wir die Entwicklung von Kunstrasenfeldern betrachtet. An dieser Stelle wollen wir das neue FIFA-Qualitätskonzept für Kunstrasenbeläge und die Tests darstellen, die dafür sorgen sollen, dass jeder Kunstrasen, der das Siegel 'FIFA RECOMMENDED' (VON DER FIFA EMPFOHLEN) verliehen bekommt, auch ideal bespielbar ist.
Moderne Kunstrasenfelder sind mittlerweile in der Lage, die Spieleigenschaften von Naturrasen fast perfekt zu reproduzieren. In Anerkennung dieser Tatsache hat die FIFA ein Qualitätskonzept für Kunstrasenbeläge entwickelt. Warum? Fussball ist ein globales Spiel, und um allen Spielern gerecht zu werden, müssen Ausrüstung der Sportler und Beschaffenheit der Spielfelder weltweit einheitlich sein.
Qualifikationsspiele für FIFA-Turniere dürfen schon jetzt auf Kunstrasenfeldern ausgetragen werden, wenn zwei Monate vor der Partie eine offizielle Genehmigung der FIFA eingeholt wird. Und im kommenden Jahrzehnt werden in Vereinsstadien auf der ganzen Welt mit Sicherheit zunehmend mehr künstliche Beläge verlegt werden.
Kunstrasenhersteller können eine FIFA-Lizenz beantragen, für die eine Jahresgebühr fällig wird. Außerdem müssen Lizenznehmer für jedes lizenzierte Feld eine einmalige Lizenzgebühr entrichten, die mit der Jahresgebühr verrechnet werden kann. Diese Gelder fließen in die Entwicklung des Fussballs und sollen etwa die Verlegung oder Verbesserung künstlicher Beläge in bedürftigen Länder auf der ganzen Welt ermöglichen.
Die Lizenzvereinbarung hat eine Laufzeit von drei Jahren, in denen die Hersteller im Bezug auf die zertifizierten Sportstätten mit dem FIFA-Siegel werben dürfen. Zusätzlich profitieren sie von dem FIFA-eigenen Marketing des Gütezeichens und können sich darauf verlassen, dass das Siegel ein Markenzeichen mit weltweiter Promotion wird.
Die FIFA wird das Zertifikat VON DER FIFA EMPFOHLEN jedoch nur an Spielfelder verleihen, die sich einem langen und genauen Prüfungsverfahren unterziehen. Dr. Eric Harrison, FIFA-Berater für Kunstrasen erklärt: "Man muss begreifen, dass das Siegel nur an bereits verlegte Felder und nicht bloß für einen bestimmten Belag verliehen wird. Das liegt daran, dass der Boden auf dem ein künstlicher Belag verlegt wird, in Kombination mit der Qualität des Belags für die Bespielbarkeit eines Platzes ebenso wichtig ist wie der Belag selbst."
Bevor das Siegel VON DER FIFA EMPFOHLEN  verliehen wird, durchläuft jedes Spielfeld einen Prüfungsprozess in drei Phasen – einen Identifikationstest, einen Labortest und einen Praxistest. Sofern es die Wetterbedingungen zulassen, muss der Praxistest binnen drei Monate nach Verlegung des Belags durchgeführt werden.
Zunächst muss der Kunstrasenbelag identifiziert werden, um sicherzugehen, dass der tatsächlich verlegte Boden auch dem im Labor getesteten entspricht.
Dann muss der Hersteller den Nachweis führen, dass die für den Belag verwendeten Materialien nicht toxisch sind, nicht abfärben und reflexionsarm sind. Hersteller und Kunde müssen ebenfalls sicherstellen, dass die geplante Sportstätte den nationalen oder lokalen Umweltrichtlinien und der Belag den vorherrschenden klimatischen Bedingungen entspricht. Der Unterboden muss nicht nur das Gewicht des Kunstrasenbelags, die Belastung durch normale Bespielung sowie der notwendigen Geräte zur Pflege des Bodens aushalten, sondern darüber hinaus durchlässig und eben sein.
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können weitere Tests zur Bestimmung der fussballerischen Bespielbarkeit der Böden durchgeführt werden.
Maßstab und Kriterium ist dabei das Ballverhalten auf einem guten Rasenplatz, alle Tests prüfen eine entsprechende Beschaffenheit der Kunstrasenfelder. Dabei wurden Laborgeräte zum Test von drei Teilbereichen entwickelt – untersucht werden die Reaktion des Balles auf dem Belag, die Reaktion der Spieler auf den Belag und die Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung.
Wenn ein bestimmtes Kunstrasenprodukt im Labor getestet wurde und das FIFA-Zertifikat erhalten hat, muss es nicht für jedes neue Spielfeld die gleichen Tests noch einmal durchlaufen. Der verlegte Boden muss jedoch bei jedem neuen Feld  mit der Originalprobe verglichen werden, um zu bestätigen, dass die beiden identisch sind, bevor der Praxistest und die Planung der Anlage beginnen können. Erst wenn das komplette Spielfeld sämtliche Tests bestanden hat, erhält es das Siegel VON DER FIFA EMPFOHLEN.
Zunächst wurden neun Institute ausgewählt, die die Praxistests durchführen sollen (weitere werden hinzukommen, wenn das Programm ausgeweitet wird), von denen zwei auch die Labortests des Kunstbelags durchführen können.
Sie haben ihren Sitz in Europa, dem Fernen Osten, den USA und Australien, sodass ein leichter Zugang zu den wichtigsten Weltmärkten gewährleistet ist.
Als vor zwanzig Jahren die ersten Vereine Kunstrasenfelder anlegten, waren die Gastgeber stets im Vorteil gegenüber dem Gästeteam, weil sie an den Belag gewöhnt waren.
Diese Situation ist ungerecht, und wenn die neue Generation von künstlichen Belägen neben Naturrasenfeldern akzeptiert werden und zum Einsatz kommen soll, müssen die Böden nicht nur die gleichen Spieleigenschaften haben wie Naturrasen, sondern auch von Land zu Land, Klimazone zu Klimazone und Hersteller zu Hersteller einheitlich sein.
Zurzeit variieren die Standards in den einzelnen Ländern noch, und die Entwicklung unterschiedlicher Produkte für unterschiedliche Märkte stellt ein Hindernis für die Hersteller dar. Für sie wie auch für die Spieler ist es vorteilhafter, wenn es einen von obersten Instanz des Weltfussballs – der FIFA – festgelegten, anerkannten, internationalen Standard gibt.