Maradona: "Mit Technologie hätte mein Tor gegen England nicht gezählt"

  • 31 Jahre nach umstrittenem Tor für Einsatz von Technologie
  • "In allen Sportarten kommt sie zum Einsatz, da dürfen wir nicht ins Hintertreffen geraten"
  • Maradona blickt auf kontroverse Aktionen zurück

Seit einigen Jahren hält die Technologie auch im Fussball Einzug. Als erstes wurde sie eingesetzt, um den Beweis zu erbringen, dass der Ball tatsächlich die Torlinie überschritten hat. Kürzlich kamen dann auch noch die Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) hinzu, deren Einsatz bereits bei unterschiedlichen FIFA-Turnieren erprobt wurde. Zuletzt war dies beim FIFA Konföderationen-Pokal der Fall, der im Juni und Juli dieses Jahres in Russland stattfand.

Diego Maradona, der sich das Finale zwischen Chile und Deutschland in Sankt Petersburg live angeschaut hat, steht der Einführung dieser Technologie sehr positiv gegenüber. "Der Fussball darf nicht ins Hintertreffen geraten", erklärt er. "Wenn die Technologie Fortschritte macht und bei allen Sportarten zum Einsatz kommt, warum sollten wir sie dann im Fussball nicht auch in Betracht ziehen?"

Im Gespräch mit FIFA.com weist der Argentinier darauf hin, dass sich die anfänglichen Vorurteile beim tatsächlichen Einsatz von VSA nicht bestätigt haben: "Früher wurde immer gesagt, dass wir viel Zeit verlieren und sich die Leute darüber aufregen würden. Aber das ist nicht der Fall: Die Leute regen sich auf, wenn sie für etwas bestraft werden, was sie nicht getan haben! Beispielsweise wenn ein reguläres Tor aberkannt wird. Die Technologie sorgt für Transparenz und Qualität. Sie ist positiv für Mannschaften, die sich entschließen, anzugreifen und Risiken einzugehen."

Der Einsatz der VSA hat sich beim Turnier der Champions bei vielen Gelegenheiten als entscheidend erwiesen, beispielsweise beim Aufspüren von Abseits- oder Handspielsituationen, die sich direkt auf Torchancen ausgewirkt haben. "90 Minuten Fussball bringen Höhen und Tiefen mit sich. Eine Mannschaft kann das Spiel kontrollieren, und 15 Minuten vor Schluss hat plötzlich die andere das Heft in der Hand. Wenn du ein Tor erzielst, kannst du viel mehr auf Ballbesitz spielen und den Gegner kommen lassen. So wird das Spiel dynamischer! Aber wenn du ein Tor erzielst und es wird nicht anerkannt, verlierst du danach an Boden und deine Chance ist weg. Das ist nicht richtig", so der Argentinier weiter.

Hätten Sie's gewusst?

  • VSA werden in Situationen eingesetzt, die "den Spielverlauf entscheidend beeinflussen können".
  • Dabei handelt es sich um Geistertore, zweifelhafte Elfmeter, fragwürdige Rote Karten oder Verwirrung um die Identität eines Spielers.
  • Den ersten offiziellen Test gab es bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2016.

Ein Blick in die Geschichte
Diego Maradona fordert Transparenz und blickt dabei mit einem zwinkernden Auge in die Vergangenheit zurück. Insbesondere auf das Jahr 1986, in dem er bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Mexiko das berühmte Handtor gegen England erzielte. "Natürlich geht mir das durch den Kopf, wenn ich den Einsatz der Technologie befürworte!", meint er lachend.

"Ich habe darüber nachgedacht, und selbstverständlich hätte der Treffer beim Einsatz von Technologie nicht gezählt. Er wäre nicht anerkannt worden. Und das ist noch nicht alles. Bei der WM 1990 habe ich gegen die Sowjetunion ebenfalls die Hand benutzt, um den Ball von unserer Linie zu kratzen. Der Schiedsrichter hat das damals auch nicht gesehen. Wir hatten Glück! Aber zur damaligen Zeit gab es keine Möglichkeit, Technologie einzusetzen. Heute ist das eine andere Geschichte."

Maradona macht der Rückblick auf vergangene Situationen sichtlich Spaß. Lachend erklärt er: "Mein Tor im Jahr 1986 war nicht das einzige, was nicht gezählt hätte. Schließlich hat England die WM 1966 mit einem Tor gewonnen, bei dem der Ball die Linie nicht überschritten hat! Gleiches Recht für alle." Doch auch damit lässt er es nicht bewenden. "Eine ähnliche Situation, aber genau umgekehrt, gab es 2010. Erinnern wir uns noch einmal an diesen Schuss von Lampard gegen Deutschland. Der Ball hatte die Linie überschritten, aber der Treffer wurde nicht gegeben. England hatte mehr Ballbesitz und verdient das Tor erzielt. Aber nach dieser Aktion ist Deutschland dann richtig gut ins Spiel gekommen und hat den Spielverlauf auf den Kopf gestellt! Es gibt viele Aktionen, bei denen der Einsatz von Technologie dazu geführt hätte, dass Weltmeisterschaften einen anderen Verlauf nehmen. Es ist an der Zeit, eine Änderung herbeizuführen."