Neue Erkenntnisse zu Spielmustern und Verletzungstrends bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™

Die FIFA präsentiert neue Statistiken, die detailliert Aufschluss über physische, taktische und technische Aspekte der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ geben und so einen Vergleich zu früheren Turnierausgaben ermöglichen.

Die Statistiken wurden anhand einer Verletzungsanalyse des FIFA-Zentrums für medizinische Auswertung und Forschung (F-MARC) und einer Spieldaten-Vergleichsstudie der Prozone Sports GmbH zwischen den Weltmeisterschaften 2015 in Kanada und 2011 in Deutschland ermittelt. Bei der Auswertung der Ergebnisse sind einige Variablen wie Umwelteinflüsse, technische und physische Entwicklung der Spielerinnen, Anzahl Teams (16 gegenüber 24) und Spiele (32 gegenüber 52) und Spielunterlage zu berücksichtigen.

Die FIFA erhebt nach jedem ihrer Turniere quantitative und qualitative Daten, um Trends zu analysieren und laufend zu überprüfen, ob die Turniere oder Programme für ihre Mitgliedsverbände weiter verbessert werden können. Dies galt in besonderem Masse für das Turnier 2015 in Kanada – die erste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™, die ausschliesslich auf Kunstrasen ausgetragen wurde. Alle sechs Stadien verfügten über Kunstrasenfelder mit dem Gütesiegel "FIFA RECOMMENDED 2 STAR" – dem höchsten Kunstrasenstandard, der eigens für den Profifussball entwickelt wurde. 

Vor dem Turnier nahm die FIFA mit den qualifizierten Teams etwaige Fragen und Bedenken zur Spielunterlage auf. Der Dialog wurde diese Woche fortgesetzt, als sich einige Teamvertreter, darunter Betreuer und Spielerinnen, auf Einladung der FIFA am FIFA-Sitz in Zürich zum Meinungsaustausch über Kunstrasen trafen. 

Die FIFA erachtet es als ihre Pflicht, die Einschätzungen der Teams und die Erkenntnisse der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ detailliert zu analysieren und die Rückschlüsse in künftige Testanforderungen für Kunstrasenfelder zu integrieren. In einem ersten Schritt traf sich die FIFA im Oktober mit Branchenvertretern und präsentierte ein neues Testhandbuch für Kunstrasen. 

Die FIFA führt derzeit noch weitere Erhebungen und Studien zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ durch, insbesondere eine umfassende medizinische Umfrage, um weitere Aufschlüsse über die Erfahrungen der Teams und der Spielerinnen zu erhalten. 

Rückgang bei Verletzungszahlen  

Die F-MARC-Daten zeigen bei der Anzahl Verletzungen pro Spiel über die letzten drei FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™ einen leichten Rückgang. Die Ergebnisse basieren auf den Angaben, die die Teamärzte unmittelbar nach jedem Spiel eingereicht haben. Weitere Informationen sind im technischen Bericht zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ (S. 95) zu finden.

2015 wurden pro Spiel durchschnittlich 2,12 Verletzungen verzeichnet, verglichen mit 2,27 Verletzungen 2011 und 2,34 bei der WM 2007. Pro Spiel hatten 2015 0,75 Verletzungen einen Trainings- oder Spielausfall zur Folge. 2011 und 2007 waren es im Schnitt noch 1,1 Verletzungen gewesen. Unverändert blieb die durchschnittliche Anzahl Knieverletzungen pro Spiel (sowohl 2011 als auch 2015 ein Wert von 0,3), während die Zahl der Knöchelverletzungen pro Spiel leicht von 0,34 (2011) auf 0,25 (2015) zurückging. Eine Zunahme im Vergleich zu den beiden vorangehenden FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™ wurde 2015 hingegen bei der Anzahl Prellungen verzeichnet. 

Spielanalysedaten  

Die Prozone-Studie liefert Spielanalysedaten, die Spielmuster bei den letzten beiden FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™ aufzeigen. In einigen Bereichen wie bei der durchschnittlichen Anzahl Fouls pro Spiel, der Quote der erfolgreichen Pässe im Spiel und der Zahl der Pässe ins letzte Drittel gab es zwischen 2011 und 2015 nur geringe Unterschiede.

Eine starke Abweichung gab es hingegen bei der Zahl der Zweikämpfe pro Spiel (inkl. Tacklings und Kopfduelle), die von 155,5 auf 173,7 anstieg. Die Quote der Schüsse, die aufs Tor gingen, stieg von 33,3 % auf 39,9 %, der Schnitt der Tore pro Spiel von 2,69 auf 2,81. 

Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Pässe war 2015 tiefer als 2011: 37,3 km/h verglichen mit 44,4 km/h. Dafür wurde sowohl bei den kurzen als auch bei den mittellangen Pässen ein höherer Schnitt pro Spiel verzeichnet: 231,7 kurze Pässe (0–17 m, 2011: 211,5) und 110,1 mittellange Pässe (17–34 m, 2011: 101,5). Die Geschwindigkeit der Pässe im letzten Drittel des Spielfelds war 2011 und 2015 fast gleich: 43,5 km/h und 42,7 km/h. 2015 wurden schließlich auch mehr Pässe aus dem Spiel heraus gespielt: 371,8 pro Spiel gegenüber 341,3 bei der WM 2011.

Den Link zur vollständigen Prozone-Studie finden Sie auf der rechten Seite.