Valcke: Stadien werden höchste Standards erfüllen

Am 6. Juni 2015 wird die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ angepfiffen und eine neue Ära einläuten. Im Gegensatz zur letzten Ausgabe in Deutschland werden dieses Mal 24 Teams um die Krone kämpfen - acht mehr als 2011. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke sorach mit FIFA.com über die Bedeutung des Wettbewerbs und was die FIFA tut, um hervorragende Spielbedingungen zu gewährleisten.

Was sind acht Monate vor der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada Ihre persönlichen Erwartungen?
Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft hat sich in den letzten Jahren als hochklassiges Fussballturnier etabliert und ist definitiv eines der Aushängeschilder der FIFA. Die letzte Ausgabe in Deutschland hat die Messlatte auf und neben dem Platz sehr hoch gesetzt, aber ich bin sicher, dass Kanada ein großartiger Gastgeber sein wird, wenn erstmals 24 Teams dabei sein werden. Noch nie war das Interesse von TV-Stationen rund um die Welt so groß, so dass die Produktion und die Dienstleistungen für die Medienlizenznehmer ausgebaut werden konnten. Angesichts der Bedeutung des Turniers werden wir zusammen mit dem lokalen Organisationskomitee den Teams – zweifellos den wichtigsten Akteuren –, den Besuchern und den Medien die bestmögliche Infrastruktur zur Verfügung stellen. Dazu gehören auch die viel diskutierten Spielfelder, die die höchsten internationalen Standards erfüllen werden. Dies gilt sowohl für die offiziellen Stadien als auch die drei Trainingsfelder pro Spielort. Zu diesem Zweck haben wir wie bei früheren FIFA-Wettbewerben, einschließlich der Weltmeisterschaft der Männer, einen unabhängigen Spielfeldexperten beauftragt. Ein technisches Testinstitut wird zudem die Qualität testen und überprüfen.

Wie schätzen Sie die Frauen-Weltmeisterschaft ein?
Immer mehr Spielerinnen sind Profis und können dank der Weltmeisterschaft und dem weltweiten Interesse vom Sport leben. Weltweit entstehen Profi-, Halbprofi- und Amateurligen und fördern überall das Wachstum des Frauenfussballs. Das größere Teilnehmerfeld bei der Endrunde der Frauen-Weltmeisterschaft ist für die Mitgliedsverbände ein weiterer Ansporn, den Frauenfussball in ihren Ländern auf allen Ebenen zu fördern. Jeder Ausrichter einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft profitiert zudem nachhaltig vom Turnier, sei es bei der Infrastruktur oder der Beteiligung am Sport. Das konkrete Vermächtnis dieses Turniers geht aber weit über das Land des Gastgebers hinaus. Nach der WM 2011 in Deutschland fingen etwa einige TV-Sender an, nationale Frauenspiele live zu übertragen, was zuvor nur bei einigen Länderspielen der Fall war, wenn überhaupt. Alle Konföderationen und Mitgliedsverbände schenken dem Frauenfussball nun mehr Beachtung und wollen beim größten Turnier in diesem Sport dabei sein.

Wie erklären Sie sich die Diskussionen rund um die nächste Ausgabe in Kanada?
Wir verstehen vollauf, dass die Spielerinnen, die sich für die WM qualifiziert haben, sicherstellen wollen, dass sie optimale Bedingungen haben, um gute Leistungen zu zeigen. Das will auch die FIFA. Ich kann Ihnen versichern, dass wir die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 sehr ernst nehmen und alles daran setzen, zusammen mit dem nationalen Organisationskomitee das bestmögliche Turnier zu veranstalten. Seit vielen Jahren können Organisatoren eines beliebigen FIFA-Wettbewerbs – ob Frauen oder Männer, einschließlich der Weltmeisterschaft der Männer – beantragen, auf Kunstrasen zu spielen, solange dieser höchste Qualitätsanforderungen erfüllt und alle Stadien und Trainingsanlagen mit der gleichen Unterlage ausgestattet sind. Es ist gut möglich, dass früher oder später auch bei der Weltmeisterschaft der Männer auf Kunstrasen gespielt wird. Der kanadische Fussballverband hat eine Austragung auf Kunstrasen beantragt, weil der größte Teil der Sportinfrastruktur mit Kunstrasenfeldern ausgestattet ist, was vor allem mit den klimatischen Verhältnissen im Land zusammenhängt. Es wäre sehr schwierig, an allen Spielorten solide Naturrasenfelder zu garantieren. Es geht hier also weder um Geld noch um eine Unterscheidung zwischen Männer- oder Frauenwettbewerben, sondern allein um die natürlichen Gegebenheiten in Kanada und folglich darum, allen 24 Teams sowohl in den offiziellen Stadien als auch auf den Trainingsanlagen durchwegs erstklassige Spielbedingungen zu garantieren. Das war und ist der einzige Grund für die Entscheidung für Kunstrasen.

Wie ist die Qualität in den Stadien der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015?
Wie erwähnt und vom FIFA-Exekutivkomitee im März 2013 bestätigt, werden die Stadien und Trainingsanlagen höchste Standards erfüllen, in der Sprache des FIFA-Qualitätsprogramms bedeutet das einen 2-Star-Standard. Ich möchte nochmals betonen, dass die FIFA alles daran setzen wird, dass alle Spielfelder in den offiziellen Stadien und auf den Trainingsanlagen den 2-Star-Standard einhalten werden. Bei einer Inspektion Anfang Oktober kontrollierte unser Spielfeldexperte alle Spielfelder und gab dem NOC Empfehlungen ab, damit beim Turnier die erforderliche Qualität erreicht wird. Er wird seinen Bericht in Kürze vorlegen, den wir dann an die Teams und die Medien weiterleiten werden. Auch bei der Logistik und der gegebenenfalls nötigen Finanzierung stehen wir in engem Kontakt mit dem NOC. Wir sind es den Spielerinnen schuldig, dafür zu sorgen, dass das NOC alle Vorgaben erfüllt.

Einige Spielerinnen haben der FIFA in dieser Sache Tatenlosigkeit vorgeworfen.
Unser Frauenfussball-Wettbewerbsteam unter der Leitung der stv. Wettbewerbsdirektorin Tatjana Haenni, die nicht nur eine ehemalige Spielerin, sondern auch Präsidentin des Frauenfussballklubs FC Zürich ist, tauscht sich mit den Mitgliedsverbänden und Teams regelmäßig über sämtliche Turnierbelange aus und beantwortet gerne auch Fragen zur Spielunterlage. Der Dialog mit den teilnehmenden Teams und natürlich den Spielerinnen ist uns sehr wichtig. Bei all unseren Turnieren organisieren wir deshalb immer Teamworkshops, um sämtliche betrieblichen Punkte, angefangen bei Teamdiensten über technische Fragen bis zu Medizin und Logistik, gemeinsam zu besprechen. Ein solcher Workshop wird auch im Anschluss an die Auslosung am 6. Dezember in Ottawa stattfinden. Ich werde zusammen mit unserem Spielfeldexperten und dem medizinischen Team daran teilnehmen und bin sicher, dass wir in diesem Rahmen alle Befürchtungen und Zweifel ausräumen können, so dass sich die qualifizierten Teams voll auf die Vorbereitung für das wichtigste Frauenturnier der Welt konzentrieren können. Ich bin überzeugt, dass wir im kommenden Juni und Juli in Kanada wie schon vier Jahre zuvor erstklassigen Fussball sehen werden.